Wer’s glaubt wird selig

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Wie man auf meiner „Wer ist der Typ“ Seite nachlesen kann, bin ich ein Freidenker, ein Mensch, der der sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert und nicht an religiösen Glaubensregeln. Ich finde es faszinierend, wie Menschen, durch ihren Glauben inspiriert, Kraft schöpfen können. Und zugleich immer wieder erschreckend, welche Gewaltbereitschaft durch religiöse Doktrinen, egal welcher Couleur, täglich entsteht.

Generell geht es mir nicht um die Frage, welche Religionsgemeinschaft die richtige oder falsche ist. Das überlasse ich jedem selbst zu entscheiden. Allerdings möchte ich zum nachdenken über Religion im Allgemeinen anregen.

Nach der Religion ist vor der Religion

Nehmen wir als erstes Beispiel aus der neueren Zeit die Hochkultur der Ägypter. Wir wissen, dass die alten Ägypter an ihre Götter so inbrünstig glaubten, dass sie riesige Bauten, wie die Große Pyramide errichteten – heute noch eines der größten und beständigsten Bauten, die die Menschheit je erschaffen hat. Ungeachtet des Eifers der Ägypter wissen wir jedoch heute mit absoluter Sicherheit, dass ihre Götter pure Einbildung waren. Und es keinen Beweis für die Existenz von Ra und seinen Freunden gibt. Daher glauben wir nicht mehr an sie, bauen keine weiteren Pyramiden und mumifizieren unsere Staatsoberhäupter auch nicht mehr.

Vor gar nicht allzu langer Zeit waren es Millionen Römer, die Jupiter und seine Freunde anbeteten und für sie herrliche Tempel bauten. Die Ruinen dieser Tempel sind bis heute beliebte Touristenattraktionen. Heute wir wissen mit absoluter Sicherheit, dass es diese Götter nie gegeben hat. Es gibt auch keine Beweise ihrer Existenz und so betet aktuell auch niemand mehr zu Zeus.

Eine weitere bedeutende Zivilisation aus jüngerer Zeit sind die Azteken. Sie glaubten so fest an ihre Götter, dass sie ihnen riesige Tempel und Pyramiden errichteten. Außerdem waren sie so enthusiastisch in ihrem Glauben, dass sie unzählige Menschenopfer brachten. Alles noch im 16. Jahrhundert. Trotz dieses Engagements wissen wir heute mit absoluter Sicherheit, dass die Azteken sich diese Götter nur einbildeten und Menschenopfer nicht der richtige Weg sind, um Regen zu beeinflussen. Wenn es diese Götter wirklich gegeben hätte, würden wir auch heute noch zu ihnen beten und ihnen nachhaltige Opfergaben bringen.

Halbwertszeiten von Religionen

Durch die Jahrtausende gab es unzählige solcher Glaubensgemeinschaften. Die Ägypter, Römer oder Azteken sind nur einige von vielen. Mich erinnert das alles an die Sandale aus dem „Leben des Brian“. Einer hält sie hoch und Menschen folgen ohne Sinn und Verstand. Und spätestens nach ein paar tausend Jahren gibt es neue Götter und Gelehrte.

Ohne über 200.000 Jahre mehr oder weniger streiten zu wollen wie alt die Menschheit (gemeint ist der moderne Mensch „Homo Sapiens“) denn nun tatsächlich ist, gehen wir der einfach halt halber von rund einer Million (1.000.000) Jahren aus. Die christliche Religion ist heute 2.014 Jahre alt, die islamische erst rund 1500 Jahre. Das ist nix im Vergleich zum Alter der Menschheit. Bei einer durchschnittlichen Halbwertszeit der vergangenen, bekannten Religionen von sagen wir mal großzügig 3.000 Jahren sind das seit Bestehen des modernen Menschen rund 250 verschiedene Glaubensrichtungen. Das man das so nicht rechnen kann ist vermutlich richtig, veranschaulicht aber, wie unbedeutend selbst die aktuellen großen Weltreligionen im Verhältnis zur Menschheitsgeschichte sind. Die Geschichte zeigt: Sie kommen und sie gehen auch wieder – ALLE! Wer behauptet, dass die Religion, an die er fest glaubt, die einzig wahre ist, hat aus der Geschichte nichts gelernt oder ihm fehlt die entsprechende Bildung.

Geografischer Zufall

Und wieso glauben Menschen eigentlich an einen bestimmten Gott? Doch nicht weil Gott sie in jungen Jahren erleuchtet hat, sondern weil die Eltern sie in ihrem Glauben von klein auf erzogen haben. Ich halte den Glauben der meisten Menschen daher für einen geografischen Zufall. Was die Eltern, die Freunde und die Lebensgemeinschaft in der man geboren wurde glaubt, wird auch in den meisten Fällen zum eigenen Glauben. Wäre man in einem anderen Kulturkreis geboren, würde man sehr wahrscheinlich zu einem anderen Gott oder zu anderen Göttern beten.

Erfreulich finde ich am Rande, dass sich, trotz dem Glauben an die heilende Kraft der Götter, die wissenschaftliche Medizin weiter entwickelt hat. Denn wenn ich heute einen Herzinfarkt bekomme, möchte ich keinen Medizinmann, der erst mal zeremoniell eine Ziege oder Schildkröte schlachtet, sondern schnelle ärztliche Notversorgung.

Die Frage die ich am Ende stelle ist einfach: Wie soll man sicher sein, dass es sich bei den aktuellen Angeboten nicht schon wieder um eine der vielen Mogelpackungen handelt?

Daher halte ich es mit Religionen wie John Lennon in seinem Song „Imagine“:

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion, too
 
Imagine all the people
Living life in peace.

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