Quo Vadis, Thailand?

Qua Vadis Thailand

Abseits vom Mainstream der Boulevardpresse und Nachrichtendienste gibt einige Zusammenhänge in Thailand, die häufig unerwähnt bleiben und Menschen anderer Kulturkreise auch nicht zugänglich bzw. verständlich sind.

Worum geht es?

Ich will hier nicht mit seitenweise politischen Details langweilen, daher kurz und knackig: die derzeitige Situation hängt viel mit den Subventionen der demokratisch gewählten Regierung unter Präsidentin Yingluck Shinawatra und der Mehrheit und überwiegend ländlichen Bevölkerung Thailands zusammen. Die städtische Bevölkerung in Bangkok hält diese Subventionen für immense Steuerverschwendung. Somit erkauft sich die Regierung der „Rot-Hemden“ indirekt Stimmen bei den Bauern, die wiederum die deutliche Mehrheit der thailändischen Bevölkerung ausmacht. Das hat schon Thaksin, ihr Bruder, so gemacht als er Präsident wurde und man ihn schließlich 2006 wegen Korruption verurteilte und er floh.

Yingluck ist nichts anderes als Thaksins Handpuppe oder Marionette. Das weiß jeder in Thailand, vom König bis zum Reisbauern im Isaan. Ihre Klientelpolitik der massiven Subventionierung von Reis landet zum größten Teil bei den ohnehin schon reichen Reishändlern und nur zum kleinen Teil bei den Reisbauern im Isaan und wird bereits mittelfristig Thailand in einen Staatsbankrott führen. Die Korruption hat sich in Thailand unter Thaksin und Yingluck insgesamt erheblich verschlimmert.

Das skrupellose und gleichfalls inakzeptable Verhalten der Opposition ändert nichts daran, dass Thaksin und Yingluck nicht besser sind.

Die aktuelle Situation – Dezember 2013

Um weitere Unruhen im Land zu vermeiden hat Yingluck am 09.12.2013 das Parlament aufgelöst und Neuwahlen in Thailand angekündigt, sollte die thailändische Bevölkerung doch ein anderes Staatsoberhaupt wünschen.

Das findet der Oppositionsführer und frühere Vize-Premierminister Suthep Thaugsuban aber gar nicht gut, können doch seine „Gelb-Hemden“ die Neuwahlen mit einer städtischen Minderheit niemals gewinnen. Wie übrigens in den letzten 20 Jahren. Daher fordert er kurzerhand die Einstellung der Demokratie in Thailand und direkte Übergabe der Regierungsgewalt. Und zwar an ihn und sofort. Keine Übergangsregierung, sondern eine Führungsriege, die auch er bestimmt.

Das ist doch nicht demokratisch, wird jetzt der ein oder andere aufschreien. Richtig, ist es auch nicht. Und behauptet ja auch keiner. Demokratie ist in den Augen der Opposition eben einfach nicht die richtige Staatsform für Thailand – egal was die Mehrheit der Thailänder will. Manchmal muss man Menschen eben zu ihrem Glück zwingen. Aber dazu braucht die Minderheit das Militär.

Das Militär in Thailand hat schon oft geputscht und die Regierung übernommen. Zuletzt im September 2006, was zum erwähnten Rücktritt und Exil von Thaksin geführt hat.

Angeklagt wegen Korruption, Mord etc. wurden oder sind übrigen alle hohen Politiker in Thailand. Yingluck, Thaksin und Suthep sind da keine Ausnahmen. Die Thais kommen also bestenfalls vom Regen in die Traufe…

Die aktuelle Situation – Juni 2014

Wie erwartet hat das Militär geputscht und die Macht übernommen. Keine wirkliche Überraschung für Thais, höchstens für westliche Gutmenschen. Ein Putsch in Thailand ist zudem nicht vergleichbar mit anderen Kontinenten oder Ländern, wo Milizen nach einem Putsch von Dorf zu Dorf fahren und die ethnische Gegenseite der Bevölkerung abschlachten.

Dabei fällt mir gerade die kleine Balkanreiberei in Europa ein. Die Belagerung Sarajevos mit 1.425 Tagen, also knapp 4 Jahren, war übrigens die längste Belagerung im 20. Jahrhundert. Die Luftbrücke, die zur Versorgung von hunderttausenden eingeschlossenen Menschen aufrechterhalten wurde, dauerte länger als die Berliner Luftbrücke. Viele tausend Serben, darunter viele Kinder und Frauen wurden bei der Belagerung getötet. Oder das Massaker von Srebrenica, bei dem über mehrere Tage hinweg und unter Beobachtung von Blauhelmen vor Ort 8.000 Serben getötet wurden, und das als Völkermord klassifiziert worden ist.

In Europa ist die Situation weitaus schlimmer und mit Toten, scharfer Munition, langjährige Haftstrafen für Demonstranten und Zensur. Seit vielen Jahren. Spontan und aktuell fallen mir da der Maidan in der Ukraine und der Taksim-Platz und Gezi-Park in der Türkei ein. 8.000 Demonstranten verletzt, Regimekritiker und Anwälte massenweise verhaftet und verschwunden. Da werden die Grundprinzipien einer freiheitlichen Demokratie mit Füßen getreten.

Doch zurück zu Thailand: Es ist es oftmals besser, dass das Militär ein- und durchgreift, bevor die Lage eskaliert und ein Bürgerkrieg ausbricht. Auch wenn dadurch die Demokratie fehlt. In Thailand ist die Lage friedlich. Und Thailand war und ist sicher. Ja, es gibt es ein Demonstrationsverbot, eine Ausgangssperre von 22:00 bis 06:00 und Zensur. Da bleibt man eben zu Hause und erledigt alles vorher. Ist mir auch schon in Thailand vor ein paar Jahren passiert. Neuwahlen hat das Militär erst in 19 Monaten in Aussicht gestellt. Der König, den alle Thais lieben und verehren, hat übrigens offiziell und im Nachhinein die Machtübernahme des Militärs abgesegnet. Das ist gut so, denn dadurch wird die Machtübernahme von den meisten Thais viel leichter akzeptiert.

Fazit

Als Ausländer durchschaut man dieses Spielchen zwischen Regierung, Opposition und Militär nur schwer, aber es hat dazu geführt, dass in Thailand in den letzten 30 Jahren rund 18 Mal die Regierung gewechselt hat – also rund alle 1,6 Jahre. Mit oder ohne Hilfe des Militärs.

  1. SebastianSebastian01-28-2014

    Insgesamt ein guter, fairer Artikel. Allerdings wird auch hier wieder die falsche Darstellung von einem Konflikt zwischenStädtern und Landbevölkerung verwendet. Das stimmt so nicht. Denn die Südthais sind fast ausschliesslich Anti-Thaksin und das unabhängig von Stadt oder Land.

    Tatsächlich ist es auch nicht so, dass Pheu Thai eine absolute Mehrheit im Land hat. Wenn man sich mal das Wahlergebnis von 2011 ansieht ist das sehr schön zu sehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Parlamentswahl_in_Thailand_2011

    Der gesamte Süden und Westen von Thailand ist fest in der Hand der Demokraten, während der Norden und Nordosten in der Hand der Pheu Thai ist. In Zahlen ist der Unterschied 15,7 Millionen Stimmen für Pheu Thai, 11,4 Millionen Stimmen für die Demokraten. Beide repräsentieren also grosse Teile der Bevölkerung aber bei weitem keine absolute Mehrheit.

    Und darauf wird leider in der gesamten Berichterstattung niemals eingegangen… In den grossen internationalen Medien sowieso nicht…

  2. AlexanderAlexander01-28-2014

    Danke für deinen Beitrag.

    Zunächst mal habe ich nicht behauptet, die Pheu Thai Partei (Rothemden) die absolute Mehrheit im Land hat, auch wenn das in dem von dir gelinkten Artikel anders steht. Ich habe von einer deutlichen Mehrheit gesprochen und mit knapp 50% der Wählerstimmen entspricht das den Tatsachen und ist schon eine gute Hausnummer um zu regieren. 35% Wählerstimmen hat die Demokratischen Partei (Gelbhemden) erreicht. Zudem hat mit einer 2/3 Mehrheit im Parlament die Pheu Thai Partei klar die Hosen an.

    Das die Demokratische Partei bei einer Neuwahl chancenlos wäre, bezweifelt wohl kaum jemand, der Thailand kennt und wird daher von der „Demokratischen“ Partei auch nach wie vor kategorisch abgelehnt.

    • SebastianSebastian01-28-2014

      stimmt, Du hast nicht von absoluter Mehrheit gesprochen. Und natürlich hat Pheu Thai die Mehrheit im Parlament und aufgrund der Sitzverteilung absolut die Hosen an. Daran gibt es nichts zu rütteln.
      Ich wollte einfach nur einmal auf die krassen regionalen Unterschiede hinweisen, die unabhängig von Stadt/Land, arm/reich bestehen.

      Und darin liegt ein sehr grosses Problem, denn die Propaganda, die ja auf beiden Seiten stattfindet, zum grossen Teil auch die Fernsehnachrichten, ist je nach Landesteil unterschiedlich und die Leute entsprechend verblendet. Auf beiden Seiten….

      Und dass die Demokraten mit dem momentanen Wahlsystem und der Bevölkerungsverteilung keine Chance haben steht ausser Frage, ja.

  3. AlexanderAlexander01-28-2014

    Dem kann ich nur zustimmen. Auch mir war nur teilweise bekannt, welche Landesteile fest in der Hand der Demokratischen Partei sind.

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