Quo Vadis, Thailand?

by Alexander
Published: Last Updated on

Abseits vom Mainstream der Boulevardpresse und Nachrichtendienste gibt einige Zusammenhänge in Thailand, die häufig unerwähnt bleiben und Menschen anderer Kulturkreise auch nicht zugänglich bzw. verständlich sind.

Worum geht es?

Ich will hier nicht mit seitenweise politischen Details langweilen, daher kurz und knackig: die derzeitige Situation hängt viel mit den Subventionen der demokratisch gewählten Regierung unter Präsidentin Yingluck Shinawatra und der Mehrheit und überwiegend ländlichen Bevölkerung Thailands zusammen. Die städtische Bevölkerung in Bangkok hält diese Subventionen für immense Steuerverschwendung. Somit erkauft sich die Regierung der „Rot-Hemden“ indirekt Stimmen bei den Bauern, die wiederum die deutliche Mehrheit der thailändischen Bevölkerung ausmacht. Das hat schon Thaksin, ihr Bruder, so gemacht als er Präsident wurde und man ihn schließlich 2006 wegen Korruption verurteilte und er floh.

Yingluck ist nichts anderes als Thaksins Handpuppe oder Marionette. Das weiß jeder in Thailand, vom König bis zum Reisbauern im Isaan. Ihre Klientelpolitik der massiven Subventionierung von Reis landet zum größten Teil bei den ohnehin schon reichen Reishändlern und nur zum kleinen Teil bei den Reisbauern im Isaan und wird bereits mittelfristig Thailand in einen Staatsbankrott führen. Die Korruption hat sich in Thailand unter Thaksin und Yingluck insgesamt erheblich verschlimmert.

Das skrupellose und gleichfalls inakzeptable Verhalten der Opposition ändert nichts daran, dass Thaksin und Yingluck nicht besser sind.

Die Situation – Dezember 2013

Um weitere Unruhen im Land zu vermeiden hat Yingluck am 09.12.2013 das Parlament aufgelöst und Neuwahlen in Thailand angekündigt, sollte die thailändische Bevölkerung doch ein anderes Staatsoberhaupt wünschen.

Das findet der Oppositionsführer und frühere Vize-Premierminister Suthep Thaugsuban aber gar nicht gut, können doch seine „Gelb-Hemden“ die Neuwahlen mit einer städtischen Minderheit niemals gewinnen. Wie übrigens in den letzten 20 Jahren. Daher fordert er kurzerhand die Einstellung der Demokratie in Thailand und direkte Übergabe der Regierungsgewalt. Und zwar an ihn und sofort. Keine Übergangsregierung, sondern eine Führungsriege, die auch er bestimmt.

Das ist doch nicht demokratisch, wird jetzt der ein oder andere aufschreien. Richtig, ist es auch nicht. Und behauptet ja auch keiner. Demokratie ist in den Augen der Opposition eben einfach nicht die richtige Staatsform für Thailand – egal was die Mehrheit der Thailänder will. Manchmal muss man Menschen eben zu ihrem Glück zwingen. Aber dazu braucht die Minderheit das Militär.

Das Militär in Thailand hat schon oft geputscht und die Regierung übernommen. Zuletzt im September 2006, was zum erwähnten Rücktritt und Exil von Thaksin geführt hat.

Angeklagt wegen Korruption, Mord etc. wurden oder sind übrigen alle hohen Politiker in Thailand. Yingluck, Thaksin und Suthep sind da keine Ausnahmen. Die Thais kommen also bestenfalls vom Regen in die Traufe…

Die Situation – Juni 2014

Wie erwartet hat das Militär geputscht und die Macht übernommen. Keine wirkliche Überraschung für Thais, höchstens für westliche Gutmenschen. Ein Putsch in Thailand ist zudem nicht vergleichbar mit anderen Kontinenten oder Ländern, wo Milizen nach einem Putsch von Dorf zu Dorf fahren und die ethnische Gegenseite der Bevölkerung abschlachten.

Dabei fällt mir gerade die kleine Balkanreiberei in Europa ein. Die Belagerung Sarajevos mit 1.425 Tagen, also knapp 4 Jahren, war übrigens die längste Belagerung im 20. Jahrhundert. Die Luftbrücke, die zur Versorgung von hunderttausenden eingeschlossenen Menschen aufrechterhalten wurde, dauerte länger als die Berliner Luftbrücke. Viele tausend Serben, darunter viele Kinder und Frauen wurden bei der Belagerung getötet. Oder das Massaker von Srebrenica, bei dem über mehrere Tage hinweg und unter Beobachtung von Blauhelmen vor Ort 8.000 Serben getötet wurden, und das als Völkermord klassifiziert worden ist.

In Europa ist die Situation weitaus schlimmer und mit Toten, scharfer Munition, langjährige Haftstrafen für Demonstranten und Zensur. Seit vielen Jahren. Spontan und aktuell fallen mir da der Maidan in der Ukraine und der Taksim-Platz und Gezi-Park in der Türkei ein. 8.000 Demonstranten verletzt, Regimekritiker und Anwälte massenweise verhaftet und verschwunden. Da werden die Grundprinzipien einer freiheitlichen Demokratie mit Füßen getreten.

Doch zurück zu Thailand: Es ist es oftmals besser, dass das Militär ein- und durchgreift, bevor die Lage eskaliert und ein Bürgerkrieg ausbricht. Auch wenn dadurch die Demokratie fehlt. In Thailand ist die Lage friedlich. Und Thailand war und ist sicher. Ja, es gibt es ein Demonstrationsverbot, eine Ausgangssperre von 22:00 bis 06:00 und Zensur. Da bleibt man eben zu Hause und erledigt alles vorher. Ist mir auch schon in Thailand vor ein paar Jahren passiert. Neuwahlen hat das Militär erst in 19 Monaten in Aussicht gestellt. Der König, den alle Thais lieben und verehren, hat übrigens offiziell und im Nachhinein die Machtübernahme des Militärs abgesegnet. Das ist gut so, denn dadurch wird die Machtübernahme von den meisten Thais viel leichter akzeptiert.

Die Situation – September 2017

Der thailändische König Bhumibol Adulyadej ist im Oktober 2016 im Alter von 88 Jahren gestorben. Er starb in einem Krankenhaus in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Der Militär- und Regierungschef Prayut Chan-o-cha ordnete ein Jahr Staatstrauer an, das nächsten Monat abgelaufen ist. Danach wird der Leichnam des Königs verbrannt werden. Sein 64 Jahre alter Sohn Maha Vajiralongkorn ist der neue König (König X) und wird längst nicht so verehrt wie sein Vater, da er als Lebemann und Playboy ein Leben außerhalb Thailands geführt hat und in Thailand weder bisher in Erscheinung getreten ist noch Land verbunden war.

Das Militär hält weiterhin an der Macht fest und Wahlen sind nach wie vor kein Thema. Stattdessen wurde nun auch Haftbefehl gegen die Schwester des bereits aus dem Land gejagten ehemaligen Präsidenten Thaksin Shinawatra vom obersten Gericht in Thailand, die ehemalige Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra, erlassen. In dem Verfahren gegen Yingluck geht es um ein System zur Subventionierung des Reisanbaus, was ich ja bereits eingangs erklärt hatte.  Dabei kaufte der Staat armen Landwirten Reis zum doppelten Marktpreis ab um Wählerstimmen zu kaufen.

Wie es aktuell aussieht hat sich Yingluck wie ihr Bruder, ins Ausland abgesetzt, da sie angeblich vom Militär keinen fairen Prozess erwarten kann.

Fazit

Als Ausländer durchschaut man dieses Spielchen zwischen Regierung, Opposition und Militär nur schwer, aber es hat dazu geführt, dass in Thailand in den letzten 30 Jahren rund 18 Mal die Regierung gewechselt hat – also rund alle 1,6 Jahre. Mit oder ohne Hilfe des Militärs.

Könnte dir auch gefallen