Afrika ist überall

by Alexander
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Da gibt es noch immer deutsche Touristen, die nach Südafrika kommen und glauben, dass in ihrer Heimat alles viel besser ist.

Die über die Fehlplanung von unfertigen Brücken in Kapstadt schmunzeln und mit Blick auf die angebotenen Lebensmittel die Nase rümpfen, froh einen funktionierenden Verbraucherschutz vorweisen zu können. Sicher ist, dass es in Südafrika einiges zu verbessern gibt. Nach der Apartheit und fast 20 Jahren Neoliberalismus ist eins in Südafrika sicher nicht abgeschafft: der Kapitalismus.

Aber ist Deutschland tatsächlich so viel besser, das man so überheblich sein darf?

Staatliche Fehlplanung – ein Fass ohne Boden

Aktuell die Fehlplanung des BER, der seit Jahren wegen baulicher Mängel verschoben wird. Trotz zusätzlicher 1,2 Milliarden Euro bereitgestellter Mittel scheint die Vergabe und Planung von Aufträgen weiterhin undurchsichtig. Wie hoch die Mehrkosten tatsächlich sein werden, ist auch heute noch unklar. Aktuell ist von 5,4 Milliarden (5.400.000.000) Euro die Rede, aber wir wissen alle, das wir nur wieder verarscht werden. Neben Stuttgart 21 sowie der Hamburger Elbphilharmonie ein weiteres, staatliches Fass ohne Boden. Bei Stuttgart 21 werden auf Grund von ‚Fehlplanungen‘ aktuell 2,3 Milliarden Euro nachgelegt. Geplant waren für das höchst umstrittene Bauprojekt 2009 rund 4,3 Milliarden Euro.

Dass das nicht besser ist, als in Südafrika, muss ich wohl nicht erwähnen. Die jetzt fehlenden Milliarden (=1.000.000.000) Euro, und ich rede hier nicht von Millionen, haben sich ja nicht in Luft aufgelöst, sondern sind irgendwo geblieben. Nicht zuletzt in den Taschen korrupter Bauplaner, deren Auftragsvergabe und durchführender Unternehmen. Natürlich fehlen diese Mittel am Ende bei der Fertigstellung, wenn sich andere bereichern. Ist einfachste Mathematik. Fehlplanungen in Milliardenhöhe? Und Korruption? In Deutschland??

Katastrophale Arbeitsbedingungen

Niedrige Löhne, beengte Unterkünfte und rechtsradikale Sicherheitskräfte. Die ARD hat darüber berichtet. Und die katastrophalen Arbeitsbedingungen beim Versandhandel Amazon sind bekannt: Die Arbeiter haben nicht, wie versprochen, Arbeitsverträge direkt bei Amazon erhalten, sondern sind bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt. Zu einem Stundenlohn von 8,52 Euro brutto. Sie erfahren davon erst zwei Tage vor Abfahrt aus ihrer Heimat.

Zudem müssen Arbeiter bis zu 17 Kilometer am Tag in den Lagern laufen, 15 Tage ohne Ruhetag arbeiten und nach Ende ihrer Schicht in leerstehenden Ferienparks beengt zusammenleben. Dabei sind sie auf den Bustransfer von diesen Unterkünften in die Lager angewiesen, bekommen Wartezeiten aber nicht bezahlt, wenn sich die Busse verspäten. Kost und Logis werden vom Lohn abgezogen.

Alleine im Lager Koblenz sind von dort 3300 Mitarbeitern nur 200 fest angestellt. Wie überall bei einem der größten Unternehmen in Deutschland!

Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz

Ein Lebensmittelskandal jagt den anderen in Deutschland. Skandal um Schimmel-Futter bei 4500 Betrieben, Betrug bei Millionen von falsch deklarierten Eiern und Pferdefleisch statt Rindfleisch im Essen klingt auch nicht gerade nach einem funktionierenden Verbraucherschutz in Deutschland: 13 Länder sind betroffen, mehr als 30 Firmen und 144 Tonnen versetzte Lebensmittel alleine in Deutschland werden als Spitze des Eisbergs beziffert. Spontan kommt mir da „Gammelfleisch“ in den Sinn…

Ist Pferdefleisch nicht eigentlich teurer als Rinderhack? Ja, aber das trifft nur für Pferde zu, die nicht entsorgt werden müssen. Jeder normal denkende Mensch erkennt, dass hier was nicht mit rechten Dingen zugeht.

Man kannte das bislang vor allem vom Schwarzgeld. Es wird so lang über die Grenzen hin und her geschoben, bis niemand mehr seine Herkunft, seine Empfänger und die Auftraggeber benennen kann. Anders als bei Frischfleisch schreibt die EU bislang nicht vor, dass die Herkunft von gefrorenem Hackfleisch auf der Verpackung angegeben werden muss. Hätte die irische Lebensmittelaufsicht bei einer Routinekontrolle Mitte Januar nicht Pferde- statt Rindfleisch in Billig-Hamburgern gefunden, wäre der Stein wohl nie ins Rollen gekommen.

2005 wurde die deutsche Lebensmittelkontrolle in europäisches Recht überführt und weitgehend privatisiert. Das heißt, die Futtermittelbetrüger im Dioxin-Skandal vor zwei Jahren und Pferde-Metzger kontrollieren sich selbst. So schreibt es das europäische Lebensmittelgesetz vor. Die deutsche staatliche Lebensmittelkontrolle wurde weitgehend zusammengekürzt und ist handlungsunfähig. Sie wird nur bei Unregelmäßigkeiten aktiv. Und wer meldet die? Welcher Verbraucherschutz? In Deutschland??

Die Politik – ein Tiger ohne Zähne

Und offenkundig wird die Politik mal wieder von den entsprechenden Branchenkennern und marktbeherrschenden Organisationen vorgeführt. Und die Verbraucher zum wiederholten Mal „nach allen Regeln der Kunst“ betrogen. Menschen sind die Opfer, ob in Deutschland oder Südafrika oder sonst wo auf der Welt – das dürfen wir nie vergessen!

Solange gesetzliche Regelungen von Lobbyisten für Lobbyisten geschrieben und von der Politik, ob europäisch, afrikanisch oder international, abgenickt und durchgewunken werden, wird sich an diesem System, das zum Betrug geradezu herausfordert, nichts ändern. Es sind wieder und wieder die Sünden der Vergangenheit, die Untätigkeit, die die Politik einholen und selbiger und den Verbrauchern auf die Füße fallen…!

Der Aktionismus der Verbraucherminister/in in Deutschland erschöpft sich, wie immer, in der üblichen Aufgeregtheit und dem Ruf nach „lückenloser Aufklärung“, die regelmäßig ohne wirksame exekutive oder gar gesetzgeberische Konsequenz und Folgen bleibt. Ein verbal-politisches Strohfeuer, wie wir es alle nur zur Genüge kennen!

Fazit

Natürlich ist der Beitrag polemisch, polarisiert und ist provokativ. Aber niemand wird die wirklichen, tatsächlichen Hintergründe je erfahren – egal welche „schonungslose“ Aufklärung uns von Politikern versprochen wird. Weder ich noch du, werter Leser.

Und nicht nur „Afrika ist überall“, wie der Titel des Beitrags lautet, sondern überall ist auch Afrika – auch in Deutschland. Und wir alle kennen die biblische Redensart „Hochmut kommt vor dem Fall“. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir zu Gast in einem anderen Land sind.

Die Branchen werden die Ereignisse zur Kenntnis nehmen und dort weitermachen, wo man eben (noch) nicht aufgefallen ist.

Genauso wie überall auf der Welt!!

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