Safety First: Das Haus am Strand glich einer Festung. Und das aus gutem Grund.

by Alexander
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Ich habe mir überlegt, ob ich mir mal die Mühe mache und die ganzen Sicherheitsvorkehrungen, die ich als weißer Hausbesitzer dicht am Herzen Kapstadts und in einer „reichen Siedlung“ getroffen habe um Einbruchsversuchen vorzubeugen, getroffen habe. Nicht jeder hat diese Investitionen und Vorsichtsmaßnahmen vorgenommen und bei den meisten wurde bereits mehrfach eingebrochen. Das Haus hatte ich übrigens von einem lesbischen Paar gekauft, das in diesem Haus zunächst vergewaltigt und dann ausgeraubt wurde, bevor es sich entschloss es zu verkaufen.

1: Mauer und Metallzaun. Im vorderen Bereich rechts und links habe ich eine Mauer errichtet. Dazu ein Metallzaun dazwischen. Zuvor war der gesamte Bereich frei zugänglich und Leute klopften an die Scheibe meines Wohnzimmers, da noch keine Klingel vorhanden war. Da ein kleiner Gartenzaun mit Tür ignoriert wurde und die Leute einfach drüber stiegen, mussten Mauern mit Zaun her.

2: Rund um das Haus Elektrozaun. Auf die Mauer wurde ein rund ein Meter hoher Elektrozaun, mit 5 parallelen Drähten, installiert, den ich 2016 von einem Nemtek Druid 13 mit 3 Joule auf einen Druid 18 S mit einem Output von 8 Joule für große Wohnkomplexe aufrüstete: die maximal zulässige Stärke eine Elektrozauns in Südafrika. Wer das Ding angefasst hätte, wäre 5 Meter nach hinten geflogen. Außerdem lösen sie Alarm aus, wenn zwei der fünf Drähte zusammen kommen, also wenn z.B. jemand eine Gummimatte über den Elektrozaun legt.

3: Infrarot Bewegungsmelder. Rund ums Haus waren 22! passive Melder im Einsatz, die das Haus tag und Nachts absicherten. Diese Bewegungsmelder waren das Beste was man für Geld kaufen konnte und wurden von TAKEX hergestellt, dem Weltmarktführer für Sicherheitssensorik. Lösen Alarm aus.

4: Kieselsteine. So lustig wie es klingen mag, aber grobe Kieselsteine im gesamten hinteren Bereich des Hauses sind zum einen dekorativ, verraten aber auch jeden, der darüber läuft. Selbst wenn man versucht zu schleichen bewegen sich die kleinen Racker und machen Geräusche.

5: Kameras. Was ich haben wollte, gab es in Südafrika nicht. Daher entschied ich mich IP-Kameras aus Deutschland von der Firma MOBOTIX, einer der führenden Unternehmen in IP-Kamera Technologie weltweit, zu importieren. Jeweils zwei Kameras waren in einer Kuppel in den hinteren Ecken des Hauses installiert und eine Doppelkamera mit einem 180 Grad Sichtfeld im Vorderbereich. Zusätzlich war eine Kamera mit mit einer 180 Grad Panorama Linse in der Türklingel an der Straße installiert. Zusammen sieben Außenkameras. Aufgenommen wurde alles über eine eigene Netzstruktur in Full-HD über einen Netgear switch (GS110TP – 8-Port Gigabit managend Smart Switch all PoE and 2 fiber SFP ports)  und einem 8 TB NAS abgespeichert. Die Kameras haben nicht nur aufgezeichnet, sondern können durch permanente Bildanalyse Eindringling erkennen und Alarm auslösen. Alles ausfallssicher installiert.

6: Außenlichter. Rund um das Haus erhellten über 50 Lampen die Nacht. Klingt viel, war es auch. Zunächst waren es Halogenlampen, von denen mir fast jeden Tag eine durchbrannte, sei es durch Hitze oder eine undichte Stelle der Lampen oder beides. Irgendwann gab es LED Birnen und ich habe alles umgestellt. Statt 50W pro Lampe warn es plötzlich nur noch 3W. Alle 50 Lampen also nur noch 150W. Und Einbrecher mögen eins sicherlich nicht: LICHT!  So let there be light!

7: Zusätzliche Türen. Damit niemand um das Haus schleichen kann habe ich zusätzlich Türen rechts und links eingebaut, die das verhindern sollen. Der Gärtner hatte einen eigenen Code für das Gate und die Türen, da er bereits früh morgen mit seiner Arbeit anfing. Auch die Pool Reinigungsfirma hatte ihren eigenen Code um im Außenbereich tätig zu werden.

7: Indoor-Sicherheit. Um jetzt nicht das Ganze noch im Haus runterzuschreiben – wir hatten auch im Haus Bewegungsmelder, in jedem Raum 1-2, ein paar MOBOTIX Kameras und Trellidor Türen, flexible Stahlkonstruktionen, mit denen man Türen zusätzlich absichern kann. Alle Fenster waren mit maßgefertigten „Burglar-Bars“, einbruchssicheren Stahlstreben gesichert, die so angebracht waren, das sie genau auf Höhe der „American Shutter“ angeschweißt waren und so bei aufgeklappten Shuttern tagsüber von innen nicht sichtbar waren und man sich nicht wie im Knast vorkam.

Außerdem gab es an sensiblen Punkten im Haus, z.B. der Tür, sogenannte „Panik-Knöpfe“. Drückt man auf einen solchen, wird ein Alarm ausgelöst. Diese Knöpfe hatten wir auch manchmal in mobiler Form an einem Schlüsselband um den Hals. Die Vordertür sowie die Schlafzimmertüren waren mit massiven ausziehbaren Stahlrohren gesichert, die tief in die Wände gingen und sowohl tagsüber, aber auch besonders nachts einen zusätzlichen Schutz boten.

Bei jedem Alarm meldete sich die Sicherheitsfirma und ein Passwort wurde verlangt. Die Jungs hatten scharfe Waffen, Passwörter für Türen und wenn es das falsche war, rückten sie an.

Zu guter Letzt

Das war natürlich nicht alles. Wäre ja auch zu schön gewesen. Leider musste man jeden Tag auf das Schlimmste gefasst sein. Ich hatte einen Waffenschein, eine 9mm Glock 17 (17 Schuss) in der Arschritze und war öfter auf dem Schießstand als mir lieb war. War übrigens erlaubt die in der Öffentlichkeit, also beim Einkaufsbummel, mitzuführen, wenn sie verdeckt war. Da ich Mitglied in einem Schützenverein war, konnte ich zudem bis zu 500 Patronen mit führen. Kaufen konnte ich ebenfalls 500 Schuss, da aber keine Rechenschaft über verbrauchte Patronen abgelegt werden musste, konnte ich theoretisch jede Stunde 500 Schuss kaufen ohne sie zu verballern. Also unlimited Munition. Und im Schützenverein gabs Combattraining statt Präzision, also Ernstfall auf der Straße: Wie bekomme ich die Waffe frei, wenn jemand die Knarre am Lauf festhält? Wie ziehe ich die Waffe, wenn ich bereits im Nahkampf bin? Wie rolle ich mich ab? Wie schieße ich hinter einer Deckung? Das sieht man alles im Kino, aber wenn man in der Situarion ist, muss man mental vorbereitet sein, im Kopf und in den Abläufen.

Und täglich aufmerksames Verhalten, z.B. rückwärts in die Garage war Pflichtprogramm, denn man musste schauen, was passiert, wenn des Tor zu geht, das auf der Straße und das von der Garage. Damals, bei den beiden Ladies, ihr erinnert euch, die mir das Haus verkauften, rutschten die Typen unter der Garage mit durch als sie vorwärts reinfuhren und mit der Fernbedienung das Tor schlossen. Und eben mal ein Nickerchen am Strand war auch nicht… sicherheitsbedingt.

So, jetzt kannst du dir ein Bild machen, warum ich Südafrika verlassen habe. Ich wollte ein friedliches Leben, bei dem ich nicht ständig über die Schulter schauen muss, wer denn hinter mir geht und steht. Ich fühlte mich als Resident in Südafrika NICHT WILLKOMMEN. Ein Land in dem 20% der Bevölkerung alles haben und 80% so gut wie nichts. Da kommt Neid und Missgunst auf. Auch 25 Jahre nach der Apartheit wollen sie das zurück, was ihnen unrechtmäßig genommen wurde, ohne Kompensation. Das fällt mir das Beispiel meines Großvaters ein, der ein Haus in Kleinmachnow, einem Ortsteil in Berlin, hatte. Die Russen haben im das Haus weggenommen, entschädigt würde er nach Kriegsende dafür nie. War doch alles rechtens zur damaligen Zeit.

In Thailand fühle ich mich willkommen, zwar nur auf Zeit, aber willkommen. In Bangkok laufe ich nachts durch die Straßen, ohne das ich Angst haben muss, dass mir jemand ein Messer in den Oberköper sticht, bevor er mich ausraubt, um mich am hinterherlaufen zu hindern. Und die touristischen Orte werden von der Mafia kontrolliert und die wollen, dass die Touristen wiederkommen. Klar gibt es Verbrechen in Thailand, wie in jedem Land, aber diese brutale Gewalt, trifft mich nicht. Man läuft auch in Bangkok nachts um 4 Uhr nicht im Lumpini-Park spazieren, macht man aber auch nicht im Central-Park in New York. Außer man hat einen Todeswunsch.

Nicht falsch verstehen, es war eine schöne Zeit in Südafrika.
Nirgends auf der Welt ist man so frei wie in Afrika!

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