Kap-Halbinsel – Das Haus in den Hügeln

by Alexander
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Auf der Suche nach einem neuen Zuhause habe ich hier Anfang 2009 zwei Monate gelebt.

Ich wollte rausfinden, ob ich hier, weit ab von Supermärkten und Konsum, leben wollte. Und ich wollte die Gegend kennen lernen, die Cape Peninsula, das riese Naturschutzgebiet südlich von Kapstadt. Nicht nur im Vorbeifahren, sondern hier wohnen. In der Natur, in der Pampa.

Das Haus hatte ich über eine der einschlägigen internationalen Internetportale (www.fewo-direkt.de) gefunden und von Deutschland aus für zwei Monate gebucht. Die Besitzer hielten sich in Australien und hatten eine nette Dame aus dem Familienkreis, die sich um Vermietung und Instandhaltung des Hauses kümmerte.

Architektur des Hauses

Misty Cliff hat nur eine einzige Straße, die steil den Berg hinauf schlängelt. Mein Haus stand ganz oben, das vorletzte in der Straße. Die Aussicht von hier ist einfach unglaublich. Der rechte Teil des Hauses: ganz unten zunächst die Garage, gefolgt von einer Terrasse auf die man aber über eine Treppe runtersteigen muss. Darüber schließt sich der 1. Stock an. In ihm befinden sich Wohn- und Essbereich sowie die Küche. Im 2. Stock dann Schlafzimmer und Bad mit Dusche sowie einem kleineren Raum, der aber nicht allgemein zugänglich war, da sich in ihm Bettwäsche, Handtücher etc. befanden, jede Woche gewechselt wurden. Bewohnt haben wir allerdings nur den rechten Teil des Gebäudes: Oben Schlafen, unten wohnen. Auf dem Sonnendeck befand sich ein kleiner, randlose Pool. Zu klein zum Schwimmen, aber der Blick über die ganze Bucht war sensationell. Schön im Wasser relaxen und die Sonne im Meer versinken sehen.

Der linke Teil war separat und im 1. Stock über eine kleine überdachte Brücke sowie über das Sonnendeck mit dem rechten Teil des Hauses verbunden. Haben wir aber nur zum Abstellen der Koffer benutzt. Hier draußen gibt es keine Alarmanlagen, Elektrozäune oder Bewegungsmelder. Und oftmals war es uns schon unheimlich. Nach Sonnenuntergang wurde es draußen recht schnell zappenduster, sodass wir dann auch die Rollos im ganzen Haus recht schnell runterließen. Es war schon ziemlich mulmig, wenn man als Tourist nach Südafrika kommt, die ganzen Berichte über Mord und Totschlag ließt: Südafrika, das Land mit der höchsten Mordrate auf der ganzen Welt, und dann nachts eine Tür oder ein Fenster im Wind klappert – so ganz ohne Sicherheitsvorkehrungen und draußen stockfinster. Daran habe ich mich auch während der zwei Monate nicht gewöhnen können. Man kommt sich einfach hilflos vor. Passiert ist allerdings nie etwas.

Die ganze Affenbande brüllt…

Irgendwann haben wir das kleine Fenster im Bad mal versehentlich offen gelassen. Gemerkt haben wir es, als uns besagte Dame anrief und uns mitteilte, dass die Kammerjäger soeben das Haus verlassen hätten und wir doch bitte nach Hause kommen sollten. Die hätten die Affen mit Elektroschockern aus dem Haus wieder vertrieben. Die Affen kennen die Dinger und rennen freiwillig, wenn sie sie sehen. Da reicht der bloße Anblick. Ansonsten kann es auch hin- und wieder vorkommen, dass der männliche Anführer der Gruppe sich von einem kleinen Menschlein vom Futterplatz nicht kampflos vertreiben lässt. Primat gegen Primat!

Als wir die Tür zum Haus öffneten, schlug uns der penetrante Geruch von Affenscheiße entgegen. Die riecht man hier übrigens Tag und Nacht, da die Viecher draußen überall hinkacken. Tagsüber kommen die Affen, auf der Suche nach Futter von den Felsen runter, auch um am Pool zu trinken und danach schön abkacken, bevor es wieder zurück nach Hause geht. Nur diesmal haben die das eben IM Haus gemacht. Und zwar ÜBERALL hin. Wir haben die Affenscheiße mit Mund und Nase zu und einem kleinen Spaten weggeschaufelt. Der Kühlschrank war geplündert und alles essbare das außerhalb rumlag natürlich auch – ausnahmslos. Drei Tage hat es gedauert, bis der Gestank raus war.

Martin, der Koch

Und wir hatten einen Koch, der zweimal die Woche kam, um uns jeweils ein 3-Gänge Menü frisch zuzubereiten. Martin! In verschiedenen Hotels als Koch angestellt, hat er sich mittlerweile selbständig gemacht und betreibt eine kleine Bäckerei (The Good Bakery) in Muizenberg, unweit von Kapstadt. Die Gerichte die er serviert hat, waren ausnahmslos lecker: Vorspeise, Hauptgericht, Nachspeise. Und oftmals hat er nach Wunsch gekocht. Da saßen wir dann an unserer Tafel mit Blick auf den Ozean und die im Meer untergehende Sonne, der Himmel brannte und Martin kochte dezent im Hintergrund, wartete immer auf ein Zeichen für den nächsten Gang. Dazu lecker Wein. Es war wie im Paradies.

Nach einem guten Essen kann man allen Menschen verzeihen – sogar den eigenen Verwandten!

Oscar Wilde

Leider habe ich beim Zurücksetzen meines damaligen Leihwagens, einem silbernen Honda CRV, die Motorhaube seines Autos komplett ruiniert, aber glücklicherweise war es ein älteres Auto und die Reparatur bzw. der Austausch nicht so teuer. Mit dem Auspuff des Leihwagens direkt auf und in die Motorhaube. An dem Auspuff des Leihwagens nicht mal die kleinste Schramme. Rückwärts aus der Garage ging es zuerst gerade und dann ziemlich steil runter, sodass ich seinen Wagen nicht im Rückspiegel hatte und mein Spatzenhirn hatte irgendwie seinen Wagen nach dem Einsteigen schnell mal ausradiert. Und schon war es passiert. Am Anfang war Martin total geschockt, aber als ich ihm dann aber versicherte, dass ich den Schaden bezahlen kann und werde, war er sichtlich erleichtert.

Reminiszenz

Neulich war ich mal wieder in der Gegend und habe das Haus bei Jawitz, einem der großen Immobilienmakler in Südafrika, in Scarborough im Angebot für 6.5 Rand (rund 550.000 Euro) gesehen. Fühlte sich schon irgendwie komisch an. Klar, dass nach und vor uns Touristen hier gewohnt haben, aber die Zeit die wie hier verbracht haben, war eine ganz besondere für mich und ich werde mich hoffentlich immer an sie, an → Misty Cliffs und an das Haus in den Hügeln erinnern.

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