Der blaue Bock

by Alexander
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Wenn es etwas gibt, das man in der Hauptverkehrszeit in Thailand braucht, dann ist das ein Motorbike.

Diese niedrig motorisierten Roller, meist so um die 125cc, sind in Thailand das Beste für das Vorankommen in der Stadt – egal in welcher. Außer in Bangkok gibt es nämlich keine öffentlichen Verkehrsmittel, die in kleinen Röhren verschwinden und irgendwo wieder auftauchen oder hoch über den Dächern dahinfliegen. Daher ist dem Thai der Motorroller das, was dem Holländer das Fahrrad ist. Und in ungefähr gleicher Menge trifft man sie hier auch an. Nee, nicht die Holländer…

Wenn die Ampel auf grün schaltet, röhren auch gerne mal 50 oder mehr Roller gleichzeitig los. Klar, dass die alle in vorderster Reihe stehen. Die Autofahrer sind erstaunlich entspannt, ist doch der kleine Roller vor ihm eh gleich wieder verschwunden und durch einen anderen ersetzt – wozu also aufregen?

Wenn man keinen eigenen Roller besitzt, hat man zwei Möglichkeiten.

Man leiht sich einen, oder benutzt einen Motorroller-Service. Das Problem ist nur, das es in Bangkok keinen einzigen Verleih gibt, weil die Roller zu selten zum Besitzer zurückkommen. In Pattaya oder Phuket hingegen gibt es die Roller an jeder Ecke zu mieten – leider immer ohne Versicherungsschutz. In Thailand gilt, übrigend auch für Mietwagen (außer den großen Verleiher wie Avis oder Budget): der Mieter zahlt alles was kaputt geht. Und man muss sich zum einen an den Linksverkehr gewöhnen, zum anderen an die Fahrweise der Thais, denn gefahren wird wo Platz ist. Ganz zu schweigen vom Straßenbelag. Da gerät der eine oder andere Touri schnell in Panik…

Da bleibt dann nur der „Cei“-Service, den es an jeder Straßenecke, und ich ich meine an JEDER!, gibt. Um auf sich aufmerksam zu machen, klatscht der Fahrer zweimal in die Hände, wenn er potentielle Kundschaft sieht. Wenn man sie nicht hört, erkennt man sie auch an den meist grünen Westchen, mit Telefonnummer und Logo des Sponsors drauf. Die Jungs düsen dann auf ziemlich abgeranzten Gurken mit einem zielsicher und in halsbrecherischer Fahrt durch die Blechlawinen. Und Cei ist nur die Abkürzung für MotorCYcle.

Na klar, gibt es in Thailand eine Helmpflicht, auch für den Beifahrer.

Daher drückt einem der nette Herr mit der grünen Weste auch etwas, das die Form eines Helms hat, in die Hand. Ungeachtet der eigenen Kopfgröße wird das Ding übergestülpt und ab gehts. Das ich mit meinem Riesenschädel und dem Minihelm für Thais aussehe wie ein Vollidiot muss ich wohl nicht erwähnen… ich lege mir die Eierschale also auf den Kopf und halte während der Fahrt mit einer Hand krampfhaft die beiden Riemchen zusammen, wobei ich mit der anderen versuche mich irgendwo festzukrallen, um bei dem Höllenritt nicht vom Roller zu fallen…

Dass das Scheiße ist, habe ich sehr früh erkannt. Bei meinem ersten längeren Aufenthalt in Bangkok habe ich mir daher einen solchen Roller gekauft. Der begleitet mich seitdem nun von Stadt zu Stadt. Damals neu gekauft, mit 135cc und einer Box hintendrauf, die eine 2. Rückleuchte hat und in die mein Riesen-Helm und ein Bembel passt. Ach ne, der sitzt ja am Steuer. 🙂

Die oben erwähnten Eierschalen kann man in Thailand für 120 Baht (rund 3 Euro) kaufen. Ich glaube ja, dass die in Wirklichkeit aus Pappmaschee sind. Bei meinem ersten Unfall in Bangkok (nur Schürfwunden) war ich froh, als ich auf der Straße lag, dass ich in einen vernünftigen Helm für 20.000 Baht (rund 500 Euro) investiert hatte.

Die blauen Streifen habe ich von Anfang an dranbauen lassen. „Lichtfahrer sind sichtbarer“ hatte mir eine gute Freundin ans Herz gelegt. Und von der Seite sind die kleinen Roller in einer megahektischen Stadt wie Bangkok wenns dunkel wird wirklich leicht zu übersehen.

Verschickt wird der „Blaue Bock“, wie ich ihn getauft habe, übrigens immer mit der Post. Das klappt reibungslos und ist unkompliziert: Am Postamt abgeben und 3 Tage später wieder am Postamt abholen, egal wo: Pattaya, Bangkok, Phuket. Selbst in den Isaan, und zwar weit nordöstlich, irgendwo inner Pampa, dicht an der Grenze zu Laos. Mit dem Zug oder Flieger hin und Roller abholen. Einzig der Tank muss leer sein, aber da helfen einem die Thais im Postamt gerne. Überhaupt sind die Thais generell sehr hilfsbereit – ich stelle mir da gerade einen deutschen Postbediensteten vor, den ich höflich bitte mir beim Entleeren meines Tanks behilflich zu sein…

Übrigens…

… wenn ich mal wieder außerhalb von Thailand unterwegs sein sollte, steht der blaue Bock sicher und wohlbehütet in einer kleinen Garage, nebst Umzugskisten, in denen sich allerlei Zeugs befindet, meist Klamotten, die ich nicht immer von Kontinent zu Kontinent mitschleppen will.

Sonst bleibt ja kein Platz für andere Dinge, auf die ich nicht verzichten möchte. 🙂

Zu guter Letzt (2015)

Nachdem der Roller mir in Thailand 3 Jahre wirklich gute Dienste geleistet hat, war es an der Zeit ihn zu verkaufen.  Zu lange stand der in der Garage das Jahr über und jedes Mal wenn wir wieder in Thailand waren waren wurde es schwieriger ihn wieder zum Laufen zu bekommen. Angeblich liegt das an der Konstruktion von Yahama sagte man mir das wäre bei Honda wesentlich besser gelöst, da Einspritzer glaub ich. Zwei Wochen vor unserer Abreise hatte ich den Roller verkauft. Für die restliche Zeit hatte ich einen Miet-Roller. Nachteile bei den Miet-Rollern sind immer Bremsen und Reifen: da wird erst investiert, wenn wirklich nötig.

Zum ersten Mal hab ich was in einem thailändischen Online Privat-Markt was verkauft. Das wir in den @Mind Appartments wohnten trafen wir uns mit dem Käufer in der Tiefgarage der Anlage: Ein ansässiger Engländer mit Thaifrau kam mit Auto, fuhr den Roller kurz Probe und kaufte ihn. Und ehe ich mich versah war der „blaue Bock“ weg. Falls ich mir also tatsächlich nochmal einen Roller kaufen sollte, dann einen Honda.

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